Butler, please!

Verwöhnen nach Strich und Faden: Der „Yacht Club“ von MSC macht’s möglich. Auf der MSC Fantasia probierten wir es aus

Für Lorenzo Fioto, so könnte man meinen, wurde dieser Job erfunden. Bereits als 20-Jähriger übte der heute in Würde ergraute Neapolitaner ihn aus. Zwölfmal hat er dabei die Welt umrundet, hat Staatspräsidenten ebenso gedient wie Hollywoodstars.

„Ein Butler muss alles können“, sagt Lorenzo und strahlt. „Ich kann auch Haare schneiden, Massagen geben und Blumen binden.“ Und ja, gern packt er die Koffer aus, wenn seine Gäste es wünschen. Natürlich putzt er auch Schuhe, bügelt Anzüge und Kleider auf, arrangiert einen privaten Chauffeur, einen Fotografen, einen persönlichen Guide für den Landausflug. „Und sollte mal jemandem erst nach dem Abendessen einfallen, dass er morgen gern einen Helikopter-Rundflug hätte, versuchen wir auch das.“ Denn Lorenzo und seine 22 Mitarbeiter – 21 Männer und eine Frau, Butlerin Aliona aus Odessa – sind für ihre Gäste immer da. Und das heißt in diesem Fall tatsächlich: 24 Stunden. Jeden Tag.

MSC Yacht Club nennt sich das Reich, über das Lorenzo wacht – und dessentwegen die MSC Fantasia der ganze Stolz der Erfolgsreederei aus Neapel ist. Gianluigi Aponte persönlich, der Patriarch des Familienunternehmens, das seinen eigentlichen Reichtum in der Containerschifffahrt erwirtschaftete, soll die Idee zu diesem „Schiff-im-Schiff-Konzept“ gehabt haben. Statt eine eigene Luxusyacht à la Seabourn oder SeaDream zu bauen, lässt er 200 Gäste, die solchen Luxus wollen, einfach auf einem großen Schiff mitreisen. In yachtähnlichem Ambiente und mit, so der Anspruch, „sechs Sternen“ im Service. Alle anderen der bis zu 3.274 Passagiere des 133.000-Tonners reisen dagegen unter gefühlten vier Sternen. Zwei Welten also auf einem Kiel: Dass diese Idee auf der im Juli 2009 getauften MSC Splendida wiederholt wurde, zeigt, dass man fest an sie glaubt.

71 Suiten, verteilt auf zwei Decks, umfasst der Yacht Club. Sie sind erlesen ausgestattet, mit Marmor und Lapislazuli in den Bädern und ägyptischer Baumwolle auf den Betten. Der Inhalt der exquisit bestückten Minibar ist im Reisepreis enthalten, ebenso die Wunsch-Tageszeitung im fotokopierten Originalformat. Beharrlich werden Handtücher getauscht, Obstkörbe nachgefüllt, Blumen aufgefrischt. Und zu jeder Tages- und Nachtzeit kann man rufen: „Butler, please!“ Der bringt dann stante pede das kontinentale Frühstück oder den High Tea auf dem Silbertablett herbei. Oder eine jener Köstlichkeiten, die Benedetto Minuto für die Topsail Lounge zaubert: Dort, im Wohn-, Speise- und Panorama-Aussichtszimmer des Clubs, ist der sympathische Sternekoch aus Reggio di Calabria der Star. „Seinetwegen“, glaubt Lorenzo, „verlassen manche den Yacht Club während der Reise gar nicht mehr.“

Außer vielleicht, um das gleich unterhalb gelegene Aurea Spa aufzusuchen? Suchtgefahr jedenfalls geht auch von dort aus: Mittels heißer Steine, Schlamm oder Aromen wird man therapiert, wird balinesisch oder thailändisch massiert – oder besser: rejuveniert. Zwei- oder vierhändig, von lächelnden Asiatinnen in gelben Gewändern und mit atemraubenden Schraubstockgriffen. Willenlos wie ein Neugeborenes nippt man dann noch am Wellnesstee auf der Liege – und schlappt im Bademantel zurück in die Suite. Ein Glas Prosecco oder, Dekadenz ist süß, das Betthupferl von gestern, ein Schokolädchen von Venchi, warten.

Und doch fragt man sich irgendwann: Wie geht’s eigentlich dem Rest dieser Welt? Was machen eigentlich die anderen 3.074 „normalen“ Passagiere? Per Priority-Check-in haben wir die Fantasia betreten, wurden von rot livrierten Bell Boys abgeholt, an Schlangen vorbeigelotst zu Monique, der sympathischen Yacht-Club-Rezeptionistin aus Hamburg – und haben vom gigantischen „Rest“ dieses Megaliners bisher kaum etwas gesehen.

Kapitän Gianluca Bossi persönlich gibt sich die Ehre, die Lücke zu füllen. Er spaziert mit uns über das riesige Pooldeck, zeigt uns seine „Lieblingsecke“ (nein, nicht den Formel-Eins-Simulator, sondern den gewaltigen Plüsch-Eisbären im Kinderclub), speist mit uns im Restaurant Cerchio d’Oro – und erzählt und erzählt. Von Reedersgattin Rafaela Aponte, die auch auf diesem Schiff die komplette Innendeko entwarf: „Haben Sie die Swarovksi-Treppen in der Lobby gesehen?“ Von der Loren, die quasi zur Familie gehört: „Sie ist als Kind mit Aponte zur Schule gegangen.“ Von seinen Kindern, vom Segeln vor den Cinqueterre, wo er zu Hause ist. Von den deutschen Gästen, die immer alles über die Technik wissen wollen – oder bereits zu wissen glauben … Und von der glanzvollen Taufe des „schönsten Schiffs der Welt“ im Dezember 2008 in Neapel, bei der er, wie schon so oft, neben Sophia stehen durfte … Natürlich haben wir ihn längst erkannt: Bossi ist jener fotogene Bilderbuch-Capitano, der bei fast jeder MSC-Taufe in der ersten Reihe strahlt. Che bella figura – wir sind, auch wenn gerade Lanzarote hinter dem Horizont verschwindet, in Italien!

Was zum einen bedeutet: Man weiß zu genießen. Und zum anderen: Es darf gern auch bunt, kokett und trubelig sein. Und das hört mit einer Disco in kreischendem Pink oder einem 1.000-Quadratmeter-Kasino samt eigenem Pokerraum noch lange nicht auf.

Man stelle sich so etwas auf der Queen Mary 2 vor – der britische Gentleman wäre garantiert „not amused“. Zumindest nicht der Grill-Class-Passagier der ehrenwerten Cunard-Königin. Ein Bezug, den man durchaus wählen darf, weil er das heimliche Vorbild für den Yacht Club (und neuerdings den Luxusbereich „The Haven“ bei der Norwegian Cruise Line) abgibt: Nicht auf den MSC-Schiffen, sondern auf den großen Transatlantik-Linern von Cunard wurde das „Schiff-im-Schiff-Konzept“ einst erfunden.

 

© KREUZFAHRT GUIDE / Bellevue and More Verlag;
Text: Johannes Bohmann; Fotos: Johannes Bohmann & MSC Cruises

INFO

Der ultimative Luxus

Nichts, so scheint es, verkörpert Luxus an Bord so sehr wie der persönliche Butler. Eine ganze Reihe von Reedereien bietet diesen Service an. Selbst Anbieter, die zuvor weniger mit High Class assoziert wurden, sind auf den Trend aufgesprungen. Zu ihnen zählen neben MSC auch Costa und Norwegian Cruise Line.

Butler-Service gibt es bei folgenden Anbietern:

•  bei Azamara Cruises für alle Gäste (www.azamaraclubcruises.com)

•  bei Celebrity Cruises für Suiten der Penthouse-, Royal-, Celebrity-, Century- oder Sky-Class (www.celebritycruises.de)

•  bei Costa Kreuzfahrten für Suiten und Samsara-Spa-Suiten auf Costa Serena, Luminosa, Pacifica und Favolosa (www.costakreuzfahrten.de)

•  bei Crystal Cruises für die Kategorien Penthouse, Penthouse Suite und Crystal Penthouse (www.crystalcruises.com)

•  bei Cunard für die Queens Grill Class auf der Queen Mary 2, der Queen Victoria und der Queen Elizabeth (www.cunard.de)

•  bei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten für die Penthouse Deck-Suiten der Europa (www.hlkf.de)

•  bei MSC Kreuzfahrten für die Yacht Club-Suiten der MSC Fantasia und der MSC Splendida und der im Mai 2012 neu hinzu kommenden MSC Divina (www.msc-kreuzfahrten.de)

•  bei Norwegian Cruise Line für alle Penthouse-Suiten, Garden Villas und Courtyard Villas im Bereich „The Haven“ (www.ncl.de)

•  bei Oceania Cruises für die Owner-, Vista- und Penthouse-Suiten (www.oceaniacruises.com)

•  bei Silversea Cruises für die Grand-, Royal-, Owner’s-, Silver- und Medallion-Suiten (www.silversea.de)