Luxus für Einsteiger: Hapag-Lloyds Neue

Smoking, Kapitänsabend und feste Tischordnung waren gestern. Mit der MS COLUMBUS 2 werden Kreuzfahrten bei Hapag-Lloyd legerer denn je. Seit dem 17. April 2012 ist das Schiff  für die Hamburger Reederei unterwegs

Sie trägt einen für Hapag-Lloyd-Fans rundum vertrauten Namen. Und erstaunt stellt man beim Nachrechnen fest, dass sie nur ein Jahr jünger als die Vorgängerin gleichen Namens ist. Doch im Vergleich mit der „alten“ Columbus (die Anfang Mai zu Plantours & Partner wechselt und ab dann Hamburg heißt) ist die „neue“ Columbus, die Columbus 2 eben, ein völlig anderes Schiff. 

In Palma de Mallorca, wo sie am 17. April getauft wurde, trat sie jetzt ihren Dienst für das Hamburger Traditionsunternehmen an. Für zwei Jahre, so die offizielle Lesart, ist sie von der US-Reederei Oceania Cruises gechartert. Doch schon jetzt klingt bei allen Verlautbarungen durch, dass man sie gern länger behielte, gern auch kaufen würde ... Spätestens im Oktober, wenn die Frist für die entsprechende Zu- oder Absage verstreicht, wird man mehr wissen. Wenn nicht alles täuscht, stehen die Sterne für eine Zusage günstig. Grund genug also, die Insignia, wie sie in ihrem Vorleben bei Oceania hieß, einmal unter die Lupe zu nehmen. Ein Zweitagestörn von Mallorca nach Menorca und zurück, unmittelbar vor der Taufe  – eine „Shakedown Cruise“, wie das im Branchenjargon heißt – bot dazu Gelegenheit.

Und schon beim ersten Betasten wird klar: Im Vergleich zur Ex-Columbus bietet die „Neue“ von allem ein bisschen mehr. Kein Kunststück, wo sie ja auch größer ist? Stimmt: Statt 420 Passagieren können hier fast 700 Gäste an Bord gehen. Aber ein Vier-Sterne-Schiff (die „alte“ hatte deren drei) wird die Columbus 2 nicht durch Größe, sondern durch innere Werte: Sie bietet mehr Platz pro Passagier, mehr Vielfalt an Bord, luxuriösere Kabinen –  und ein deutlich üppigeres Ambiente. Letzteres ist den amerikanischen Vorbesitzern geschuldet: Bei Oceania ist der Country Club Style ein Markenzeichen: schwere Polstergarnituren, goldgerahmte Bilder, weinrote Teppiche, marmorne Kamine, poliertes Messing. Höhepunkt dieser Landhausromantik ist die Bibliothek: Sie dürfte zu den schönsten auf  See überhaupt gehören – und ruft Bilder hervor, wie Rosamunde Pilcher sie sich nicht besser hätte ausdenken können.

Wegen der (vorläufig) kurzen Zwei-Jahres-Charter wurde daran – warum auch? – so gut wie nichts verändert. Lediglich das Casino (bei US-Schiffen ein Must) wurde in einen Nachtclub mit DJ und Tanzfläche verwandelt; ”Martinis Club“ heißt er – und dürfte der Treff an Bord werden. Und wo sich zuvor Internetcafé und Card Room befanden, gibt’s jetzt den Kids und Teens Club – mit Tischfußball, Wii-Screens und Plüschtieren von Steiff, dem neuen Markenpartner der Hanseaten, der jetzt verstärkt auch Familien mit Kindern an Bord locken soll: Für bis zu 50 Kinder pro Reise ist auf der Columbus 2 Platz; allein 13 Kreuzfahrten werden in der ersten Saison ausdrücklich als „Familienreisen“ ausgelobt.

Eine für Hapag Lloyd-Standards legere Bordatmosphäre ist da nur konsequent. Den „Captain’s Table“ gibt’s hier nicht, und einen Smoking braucht man auf der Columbus 2 auch niemand mehr. Und im „Albert Ballin“, dem Hauptrestaurant, gelten keine festen Plätze und Essenszeiten mehr, sondern eine offene Tischzeit mit freier Platzwahl von 18 bis 22 Uhr. Noch präsentieren sich das „Lido-Restaurant“ und der „Lido-Grill“, wo man auch unter freiem Himmel speisen kann. Und für einen besonderen Abend bieten sich die Fine Dining-Alternativen „Toscana“ (italienische Küche) und „Polo-Grill“ an (Fisch- und Fleischspezialitäten). Für beide sollte man zwar reservieren – im Reisepreis inkludiert sind sie jedoch alle. Wie übrigens auch eine Auswahl von 81 Getränken an der Bar, wenn man ein "Komplett-Paket" dazubucht (ab 90 Euro pro Person), das zudem ein Guthaben für Landausflüge miteinschließt.

Dass man dagegen für Treatments im Wellnessbereich zuzahlen muss, ist in der Kreuzfahrt gesetzt. Dass Hapag-Lloyd sie zu günstigen Preisen anbietet, sei ausdrücklich gelobt. Um so mehr, weil die Spa- und Fitnessräume auf diesem Schiff überraschend großzügig ausfallen – und mit einem Whirlpool vorn im Bug, von dem aus man unter freiem Himmel in Fahrtrichtung blickt, ein echtes Juwel bieten. Trockenen Fußes geht selbiges übrigens auch ein Deck höher: Dort stehen acht Sonneninseln – so genannte „Cabanas“ – , von denen aus man über die Bugspitze schaut. Ein Vergnügen, für das man eine Tagesgebühr von 20 Euro entrichtet – ein Obulus, der auf vergleichbaren Schiffen gern doppelt so hoch oder höher liegt.

Bleibt ein Blick in die Kabinen. Ein paar Gebrauchsspuren, gewiss, weisen sie auf, doch unterm Strich ist der Pflegzustand dieses immerhin 14 Jahre alten Schiffes erstaunlich. Und ein echter Trumpf ist: Nur 28 der insgesamt 349 Kabinen liegen innen! Das sind acht Prozent – bei der Namensvorgängerin war es knapp ein Drittel. 321 Außenkabinen also – mit einer Durchschnittsgröße von 20 Quadratmetern, 170 Mal sogar mit eigenem Balkon, und 62 Mal im Suitenformat bis hinauf zu 60 Quadratmetern. Mehr kann man von einem 4-Sterne-Schiff nicht erwarten.

Seit dem 17. April, als sie vor Palma de Mallorca von Carmen Riu Güell, der Chefin der Riu Hotels & Resorts, getauft wurde, ist die „neue“ Columbus also unterwegs. Zwischen Venedig und Malta, von Barcelona bis Athen … bevor sie nach Hamburg kommt, zu den Cruise Days im August, wo man sie auf zwei- bis dreitägigen Kurztörns beschnuppern kann. Oder soll es gleich länger sein? 12 bis 19 Tage dauern die Familienreisen nach Norwegen und ins Baltikum, die im Sommerfahrplan stehen – und für die erste Weltreise unter Hapag Lloyd-Flagge im Winter muss man sich 172 Tage Zeit nehmen: Ab Monte Carlo führt sie „westbound“ einmal rund um den Globus.

Ob sie dann bereits dauerhaft zu der orange-blauen Traditionsflotte gehört, die Albert Ballin anno 1891 begründete? Man kann es den Hamburgern nur wünschen.

© KREUZFAHRT GUIDE / Bellevue and More Verlag;
Text: Johannes Bohmann; Fotos: Johannes Bohmann

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